Gestern Abend kam ich auf die Idee meiner Nachbarin einen Brief zu schreiben um ihr zu Danken. In 2 Stunden werde ich zu ihr gehen und ihr den Brief geben. Ich hoffe sie freut sich darüber!
Hier ist der Brief, könnt ihn euch ja mal durchlesen:
Liebe Nina,
gestern Abend hab ich gemerkt, wie gut ich es eigentlich hab. Wie gut ich es hab, dass ich so einen wundervollen Menschen wie dich kennenlernen durfte. Ich bin so unglaublich froh darüber! Ich weiß noch wie wir uns richtig kennengelernt haben. Am 03.01.2011 ist Heidi, mein Hund, gestorben. Du hast mir in wkw geschrieben und ich hab dir dann geantwortet. In den nächsten Tagen haben wir ziemlich viel gesimst. Am 08.01.2011 hast du Olivia und mich ins Kids Inn eingeladen. Damals hat ich das Problem mit dem selbstverletzen schon fast 2 Monate. Kein einziger Erwachsener wusste davon Bescheid. Immerhin war es Winter und es war üblich langärmlig rumzulaufen. Ich hatte schon seit längerem den Wunsch, mich einer erwachsenen Person anzuvertrauen, aber ich wusste echt nicht wem. Nach dem Tag im Kids Inn war meine beste Freundin Olivia ganz begeistert von dir. Spät Abends hab ich mit Olivia geschrieben. Sie hat gesagt das ich dir davon erzählen soll. Hm, das ist mir an dem Tag auch schon in den Sinn gekommen, aber ein Vertrauen war halt noch nicht da. Trotzdem hab ich dir abends eine SMS geschrieben, ob ich am nächsten Tag mal mit dir reden kann. Ich war nicht sehr überzeugt davon, ob ich dir wirklich sage, was ich wollte. Ich hatte Angst, panische Angst vor deiner Reaktion. Aber nun war es soweit. Es war Sonntag, der 9. Januar 2011. Ich bin zu dir gelaufen und du hast mich herzlich empfangen. Die Angst war trotzdem groß! Wir sind rein gegangen und haben uns an den Tisch gesetzt. Du hast dir gerade die Fingernägel gefeilt, also du gefragt hast, was mich bedrückt. Jetzt oder nicht, dachte ich. Ich nahm all meinen Mut zusammen und erzählte dir davon. Ich glaube du hast mit allem gerechnet, aber nie mit sowas. Vermutlich warst du geschockt... verständlich! Aber mein Mut hat sich gelohnt! Du hast erstmal mit mir über den Grund geredet. Anschließend hast du mit mir nach Hilfe gesucht. Du wolltest mit mir zum Psychologen gehen, was ich aber nicht wollte. Ich war zu dem Zeitpunkt einfach noch nicht bereit dazu. Das hast du aber verstanden. Ich brauchte einfach nur eine erwachsene Person mit Lebenserfahrung, der ich mein Herz ausschütten konnte. Und bis heute bereue ich es auf keinen Fall, dass DU diese Person bist! Du hast mir einfach immer zugehört, hast mich unterstützt und mir Tipps und Ratschläge gegeben. Im Mai hab ich dein Vertrauen ausgenutzt. Als du meine Arme kontrolliert hast, hab ich mich an den Beinen verletzt. Ich hab es nicht gerne gemacht, aber zu dem Zeitpunkt war ich noch nicht bereit gesund zu werden. Ich bereue, dass ich damals dein Vertrauen ausgenutzt habe und dich angelogen hab. Auch während der Klinikzeit hast du mich nicht hängen lassen, so wie die meisten Leute aus meiner Umgebung. Du hast mich unterstützt, wo du nur konntest. In meinen letzten Kliniktagen hast du mir Kraft für den Abschied gegeben, was mir sehr geholfen hat. Auch jetzt bist du immer für mich da und zeigst mir den richtigen Weg Richtung Gesundheit. Und genau da will ich auch hin!
Ja, ich will gesund werden!
Ich weiß nicht, was ich ohne dich jetzt wäre. Zusammen mit deiner süßen Tochter wart ihr eine richtig gute Ablenkung in schweren Zeiten!
Und für all das möchte ich dir danken! Wenn du mich liebevoll "Annie" nennst, geht mein Herz jedesmal auf, denn nach sowas habe ich mich die ganze Zeit gesehnt. Ein "Mutterersatz", der mir zeigt, dass ich auch geliebt werde. Du bist so ein wundervoller Mensch, bis vor anderthalb Jahren wusste ich nicht, das es so tolle Menschen wie dich gibt. Du bist mir so unglaublich ans Herz gewachsen und ich hab dich einfach sehr lieb! Mittlerweile bist du wie eine zweite Mama und gleichzeitig eine gute Freundin für mich.
"Ich hab vor lauter Bäume den Wald nicht mehr gesehen. Habe Worte gesagt und Sachen gemacht, für die ich mich heute schäme. Sie waren in dieser Zeit für mich normal. Wenn du mir nicht ins Gewissen geredet hättest, dann würde ich heute noch im Wald stehen! Dies wollte ich dir schon oft sagen, nur hab ich die Worte nicht gefunden. Daher habe ich jetzt diesen Weg gewählt und sage vielen Dank dafür, dass DU mich aus dem Wald geführt hast!"
Allerliebste Grüße, deine Annie. ♥
Wie findet ihr den Brief?
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